Residenzschloss Darmstadt

Architektur, Büro, Umbau
  • Leistungsphasen: 2 - 9
  • Planungszeitraum: 2016 - 2024
  • BGF: 20.800 m2
  • BRI: 90.000 m3
  • Bauherr: Technische Universität Darmstadt, Baumanagement und technischer Betrieb, Dezernat V

Nach erfolgtem Auszug der Universitäts- und Landesbibliothek wird das Darmstädter Residenzschloss in Stand gesetzt und soll als "Wissenschaftsschloss" das Präsidium mit Konferenzbereichen, Teile der Zentralen Verwaltung und einige Bibliotheksräume der Technischen Universität Darmstadt aufnehmen.

planquadrat war für die Umplanung und denkmalgerechte Sanierung des dem Marktplatz zugewandten, barocken Schlossflügels (De-La-Fosse-Bau) zuständig, und wird das Projekt weiter in der Leistungsphase 9 bis 2029 betreuen. Hier wurden unter anderem ehemalige Bibliotheks- und Magazinräume in großzügige und attraktive Büros umgewandelt. In einigen Geschossen wurde die große Geschosshöhe zum Einziehen einer zweiten Ebene genutzt. In einer Art Haus-in Haus-Prinzip konnten hier die Büros dem hohen denkmalpflegerischen Anspruch entsprechend behutsam in Holzbauweise in die Bausubstanz eingefügt werden.

Im Zuge dieser Sanierung wurde auch eine Erneuerung der technischen Anlagen (Elektroinstallation, Medientechnik, Lüftung, Sanitär und Heizung) durchgeführt und das Bauwerk brandschutztechnisch ertüchtigt. In allen Pavillons (Turmbauwerken) wurden neue Aufzüge teilweise mit verglasten Stahl-Schachtgerüsten eingebaut. Bei den Planungen war es wichtig, alle Bereiche barrierefrei umzubauen sofern dies die Bausubstanz zuließ. Auch die neuesten Vorgaben der Arbeitsschutzrichtlinien sollten so weit wie möglich erfüllt werden. Bei der Umsetzung wurde vor allem darauf geachtet, den Bestand soweit wie möglich als historische Zeitzeugnisse zu erhalten, insbesondere die Innenputze und Parkettflächen. Form-, Farb- und Materialauswahl wurden sorgfältig im Einklang mit der historischen Substanz abgestimmt.

Mit einer langwierigen Unterfangung der maroden Eichenfundamente mittels Zementinjektion konnte der kontinuierlich fortschreitende Setzungsprozess des Schlosses gestoppt werden, so dass es nun wieder auf sicheren „Füßen“ steht. Der historische Außenputz wurde sorgfältig in seiner ursprünglichen Materialität und Farbgebung analysiert und steht nun in harmonischen Einklang zu dem roten Sandstein der Fassaden. Dieser wurde partiell ausgebessert und gereinigt. Alle Fenster wurden traditionell mit Leinölfarbe gestrichen und die Glasscheiben gekittet.

Ein wahres Meisterstück stellte die Einrüstung des De-La-Fosse-Baus bis hin zu den Spitzen der Zeltdächer der „Pavillons“ (Türme) dar. Die Dächer wurden wieder in einer traditionellen Schieferdeckung eingedeckt, wobei die handwerkliche Herausforderung in der Befestigung der einzelnen Schieferplatten in der lediglich rund sechs Zentimeter starken Bimsbetonschicht bestand.

Die Zwischenbauten Süd-Ost und Süd-West wurden mit einem Stahl-„Steg“ miteinander verbunden. Dazu mussten circa 1,50 m dicke Bestandswände ähnlich wie bei einem Tunnelbau durchbrochen werden. So konnte die notwendige barrierefreie Anbindung aller Arbeitsplätze des Fachbereichs 2 realisiert werden. Zudem erlaubt der verglaste Steg schöne Einblicke in den darunter liegenden Lesesaal.

In den ehemaligen Magazinebenen im 3. Obergeschoss wurde eine zusätzliche Geschossdecke eingezogen. Nach eingehender Analyse der bestehenden Stahl-Bücherregale wurde für die neue Decke eine statisch vergleichbare Konstruktion gewählt. Da die Dächer des Schlosses in diesem Bereich bereits seit den 1930er-Jahren tragend ausgeführt sind, konnte die neue Geschossdecke als reine Holzkonstruktion über Holzstützen vom Dach abgehängt werden. So konnte eine nachhaltige und zugleich sehr leichte Lösung realisiert werden. Zudem trägt die Lamellenstruktur an der Unterseite der Holzdecke zu einer guten Raumakustik an den darunterliegenden Büroarbeitsplätzen bei. Eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung war das Einbringen sämtlicher Holzbauteile ausschließlich über die Fensteröffnungen im 3. Obergeschoss.

 

Projektmanagement: Uwe Ritter
Projektleitung: Jutta Mayer-Haber, Sina Joachim, Bianca Wöll, Laima Caspani
Team: Silvia Voss-Stolte, Katharina Baumann-Scheid, Julius Kröll, Yannic Häfelein
Objektüberwachung: Günther Hans, Alexander Gaensslen, Volker Glusa